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16.01.2017
15:27

Entfesselt Blitzen mit der Fuji XT-2

Blitzen im Studio ist verhältnismäßig unspektakulär, da die vorhandenen Studioblitze wie bei den meisten Systemen einfach über den Mittenkontakt vom Kamera-Blitzschuh ausgelöst und das funktioniert eigentlich bei jedem System einwandfrei. Aber das mobile Blitzen spukte in den Foren und Fotografie-Plattformen im Internet ständig als ungelöstes Problem herum und irgendwie schien es keine Hersteller zu geben, die mit dem Fuji System klarkommen.

Völlig unbekannte Namen erschienen auf der Bildfläche. Godox, Cactus  … nie vorher gehört, aber da war ein Blogeintrag eines Users in den USA, der es irgendwie geschafft hatte mit der damals brandneuen X-T2 einen mobilen Godox Blitz auszulösen. Dazu benutzte er die Cactus Funkauslöser indem er eine ältere Softwareversion aufgespielt hatte. (Aber hier gleich Entwarnung. Die aktuellen Geräte funktionieren direkt ab Werk.)

Gelesen … bestellt!  Bisher habe ich mit der Canon mit dem ultrakompakten  Jinbei FL500 und Yongnuo 622 Funkauslösern gearbeitet und war gewohnt auf dem Stativ oder Pole einen leichten Blitzkopf zu haben und der schwerere Akku war  in der Schultertasche oder am Stativ befestigt.
Ich war verblüfft als ich die Beschreibung zum Godox Blitz gelesen habe, denn der hat ein einzigartiges Feature. Die Steckbare Blitzröhre kann durch ein Verlängerungskabel und einen Reflektor auf dem Stativ betrieben werden, und das Blitzgehäuse mit Akku kann wie gewohnt am Stativ befestigt werden. Alternativ gibt es auch eine Umhängetasche dazu. BINGO!
Ausgelöst wird mit dem Cactus Funk-System das gleich mehrere Besonderheiten hat. Zum einen erkennt es die wichtigsten Kamera- und Blitzssysteme ganz alleine und zum anderen kann man unbekannte Geräte „anlernen“ und damit im HSS Modus arbeiten. Dazu muss mit einem 1000stel fotografiert und das Setting abgespeichert werden. Ganz easy. Ab dann kann nach Herzenslust mit mehreren Tausendstel fotografiert werden.
Ein anderer Vorteil ist: Man kann auch die verschiedenen Hersteller mischen! Das heißt: Mit Canon Kamera Nikon Blitze auslösen, mit Olympus Kamera Canon Blitze, und so weiter. Es sind fast keine Grenzen gesetzt. Einmal eingestellt erkennt das System die Blitze und löst sie sogar im HSS Modus aus. Noch besser wird das mit dem passenden Cactus-Aufsteckblitz. Dann braucht man nämlich nur einen „Sender“ denn der Empfänger ist bereits im Blitz integriert. Der Cactus ist sehr groß und etwas klobig, macht einen robusten, aber billigen Eindruck und hat neben der Streuscheibe auch einen weißen, ausziehbaren Reflekor. Das beste ist aber ein ¼“ Gewinde an der Seite mit der man den Blitz zuverlässig befestigen kann und damit sind wackelige Konstruktionen über den Blitzschuh Vergangenheit.

 

So. Nun erstmal zum Godox Akkublitz WITSTRO AD-600B
Den Blitz gibt es mit eigenem Godox Aufnahmesystem oder den von mir bevorzugten „B-Version“ mit dem weitverbreiteten Bowens Adapter. Somit lassen sich die Lichtformer aller Hersteller, die mit dieser Aufnahme arbeiten, auf dem Witstro nutzen.

Der Blitz hat ein hinterleuchtetes Display und ein sehr stabiles Gelenk zur Neigungseinstellung, das ich schon als „schwergängig“ bezeichnen möchte. Man muss die Klemmschraube sehr weit lösen um die Neigung zu verstellen. Dafür sitzt sie dann aber auch Bombenfest.

Der Blitz selbst ist schon ein Schwergewicht denn incl. Akku wiegt er 2,6 Kilo. Im direkten Vergleich sind die Mitbewerber jedoch noch schwerer: Jinbei HD-610 = 3,0 kg, Priolite MBX500 = 3,2kg. Auf dem Stativ hat man dann schon ziemlich Gewicht, das in Verbindung mit einem größeren Lichtformer schnell unhandlich wird. Aber Leistung und Ladezeiten beim Witstro überzeugen. Das Display ist groß genug um eine schnelle Bedienung zu ermöglichen. Bei grellem Sonnenschein kann es aber schonmal schwierig werden, die Einstellung im Display zu erkennen.

Der Blitz hat ein sehr helles LED Einstellicht mit 100W (Vergleich: Jinbei HD 610=20W, Priolite MBX-500=80W) und ist mit Nikon und Canon Kameras TTL-fähig. Das entfällt mit der Fuji X-T2, aber offenblendiges Fotografieren im HSS-Modus (High Speed Sync) mit Belichtungszeiten bis zu 1/8000stel Sec. sind damit problemlos möglich, und das habe ich ja gesucht!

Mobiles Outdoor-Blitzen wird jedoch erst richtig interessant mit dem Set AD-H 600B, das die Kabelverlängerung, die Aufnahme für die Blitzröhre und einen Haltegriff enthält.
Damit spielt der Witstro nämlich seinen größten Vorteil aus. Ein total einfaches Handling und ein kleiner und vor allem leichter Blitzkopf.
Dazu einfach die gesteckte Blitzröhre am Witstro abziehen, das Verlängerungskabel einstecken und am anderen Ende die Blitzröhre in den Blitzkopf einstecken. Schon hat man die gewünschte Blitzpower aber einen sehr leichten Blitzkopf auf dem Stativende. In Verbindung mit der Umhängetasche PB600 oder der Befestigung mit einer Stativklemme am Stativ.

Ausgelöst wird der Godox mit dem 2 Transceivern Cactus V6II.
Einer davon fungiert als Sender, der andere als Empfänger. Der Sender wird auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt und „angelernt“. Zuerst den Transceiver einschalten indem der kleine Schiebeschalter auf „TX“ (Transmitter=Sender) geschoben wird. Dazu wird die Kamera im manuellen Modus auf 1/1000 eingestellt, dann im Menü des Transceivers Camera & Flash Setup wählen und dort „Learn HSS“. Dann die Kamera auslösen und im Transceiver das kleine Drehrad drücken. Damit wird „Forced HSS“ aktiviert. Fertig. Der andere Transceiver wird mit einem 3,5mm Mini Klinkenkabel mit dem Godox Witstro AD 600B verbunden und der kleine Schiebeschalter auf RX (Receiver=Empfänger) gestellt.

Nun aber ein ganz wichtiger Praxistipp: Wenn die beiden Transceiver zu nah beieinander stehen, reagieren sie nicht. Das hat einige Nerven und viel Zeit gekostet, die ich Dir/Euch hier sparen möchte.

Auch mit Aufsteckblitzen kann entfesselt geblitzt werden. Da ich die Cactus Transceiver V6II bereits gekauft hatte, liegt die Entscheidung nah den passenden Aufsteckblitz vom gleichen Hersteller zu kaufen. Vorteil dabei ist, dass der Receiver bereits eingebaut ist und er so sofort mit dem Transceiver V6II kommuniziert und selbstverständlich auch mit dem AD-H600 kombiniert werden kann.

Abgerundet wird mein Setup mit der faltbaren Softbox Andoer Godox SB-UE80. Das ist eine Octabox mit Bowens Mount, 80cm Durchmesser und Regenschirm-Mechanismus. Im Set enthalten ist auch ein Grid, also ein Wabennetz aus schwarzen Stoffstreifen, die das Licht richten und mit Klettbändern an der Softbox befestigt werden.

Und so sah mein bisheriger Aufbau aus:

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